Mirjamsonntag 2011

Juli 2011                                                                                   Photos: Uta Walger

Verführe uns Eva zum Leben!

Der Mirjamsonntag wurde am 31. Juli 2011 als gesamtgemeindlicher Gottesdienst in der Auferstehungskirche gefeiert.

Die Themen der Ökumenischen Dekade "Kirche in Solidarität mit den Frauen" (1988 - 98) werden in
der Feier des Mirjamsonntags aufgenommen und aktualisiert. Es geht um Gerechtigkeit, Frieden und  Bewahrung der Schöpfung. Dazu werden Frauen-
gestalten der Bibel und besondere Fragestellungen 
in der Blick genommen.

In diesem Jahr erarbeiteten Frauen aus dem Kirchenkreis Kleve das Thema des Mirjamsonntags: "Verführung". Biblische Grundlage ist die Geschichte von Eva und der Schlange im Paradies (1. Buch Mose 3). Eine Gruppe von Frauen aus der Gemeinde Bickendorf hat sich Gedanken dazu gemacht und den Gottesdienst gestaltet.

Eingangsgebet

Hier sind wir, Gott, am Sonntagmorgen, voller guter Absichten.
Nun, wir kennen unsre Ecken und Kanten. Aber wir sind hier, wir erhoffen uns etwas
von diesem Gottesdienst.
Trost? Kraft? Weisunq?
Ein prophetisches Wort, das uns zurechtrückt?
Gemeinschaft? Beruhigung?

Was wir uns wünschen, ist dir vertraut. Was wir nötig haben, ist uns selbst verborgen.
Schenke du uns heute Morgen, was uns, was dieser Welt gut tut.
Und wenn es etwas anderes ist, als wir erwarten, dann mach uns ganz Ohr und unser Herz weit.
Dies bitten wir in Jesu Namen, im Vertrauen auf deine Geistkraft.  Amen

 

Bekenntnis der Schuld

Von morgens bis abends bin ich Verführungen ausgesetzt - immer wieder. Meinen ganz eigenen Verführungen. Zum Beispiel:

Ich möchte meinen Tag mit einer
Zeit der Stille beginnen, einer kurzen Zeit
frei von Pflicht, von Zweck, von Plänen.
Was passiert? Manchmal ist mein Kopf
schon voller Ideen, es lockt die Zeitung,
ein Haufen Arbeit liegt bereit - und die
Meditation fällt heute aus.

Sport wäre auch gut. Mein Rücken tut so
oft weh. Heute packe ich es  bestimmt, da
nehm ich mir die Sportschuhe und gehe
walken oder laufen. Aber dann sind da
diese dunklen Wolken am Himmel oder
es ist so schwül oder - oder - oder. So
viele Ausreden, ich kenne sie alle und
falle trotzdem darauf rein. Wieder ist
nichts draus geworden.

Da gibt es jemanden, dem müsste ich
mal die Meinung sagen. Der kennt keine
Rücksicht, denkt nur an sich. Heute sag
ich etwas, bestimmt! Aber irgendwie
kriege ich es nicht hin. Heute passt es
nicht, denke ich, und lass bei meiner Nachbarin den Dampf ab über diesen Mistkerl. Nächstes Mal sage ich es ihm
selber – nächstes Mal!

 

Verführung

Schlange: Sieh doch mal hier, diese superbilligen Grillwürstchen, da kann jeder 5 Stück essen. Das Grillfest am Wochenende wird ein voller Erfolg.

Eva: Überlege erst einmal, bevor du zugreifst.
Dieses Fleisch ist so billig, weil Tiere dafür leiden mussten.
Kaufe lieber Fleisch von Tieren, die artgerecht gehalten wurden. das ist vielleicht ein wenig teurer, aber die einzige Möglichkeit, die grausame Massentierhaltung zu stoppen.

Schlange:  Aber dann kannst Du keine 5 Würstchen pro Person kaufen.

Eva: Ganz ehrlich, wer braucht denn 5 Würstchen, um zufrieden zu sein?

Mensch: Ich muss immer daran denken, wie traurig meine Kinder waren, wenn wir im Urlaub einen Viehtransporter überholt haben. Die armen Tiere!
Aber: Ich kann ja selber entscheiden und ich weiß, dass ich lieber Würstchen aus artgerechter Haltung essen möchte. Lieber gebe ich etwas mehr aus, und esse bewusst und mit gutem Gewissen. Dann kann ich mein Würstchen aber richtig von Herzen genießen.

Wir singen: Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens, dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.

 

Schlange: Diese Hose sieht wirklich toll aus, und das Shirt dazu würde deine Schönheit noch unterstreichen. Der Preis ist einfach unschlagbar.

Eva:  Schau doch mal in den Eine-Welt-Laden, dort gibt es Kleidung aus fairem Handel. 5% des Kaufpreises fließen dazu noch in ein gemeinnütziges Projekt, in diesem Monat unterstützen sie die Ausbildung von Mädchen in der Textilindustrie in Entwicklungsländern.

Schlange:  Aber im Eine-Welt-Laden ist alles viel teurer, du kannst weniger Stücke aussuchen und dich nicht jeden Tag anders stylen.

Mensch: Ich habe die Wahl, ich kaufe mir jetzt ein fair gehandeltes Shirt. Hosen habe ich noch genügend im Schrank. So kann ich mir etwas gönnen und gleichzeitig ein sinnvolles Projekt unterstützen.

Wir singen: Hilf, Herr meiner Stunden, dass ich nicht gebunden, dass ich nicht gebunden an mich selber bin!

 

Schlange: Nimm die billigen Eier, dann kannst du sparen, sparen, sparen und den billigen Kaffee! Der schmeckt genauso gut wie der fair gehandelte. Das merkt doch kein Mensch, wo du eingekauft hast.

Eva: Kannst du wirklich die billigsten Eier kaufen ohne an die eingepferchten Hühner in ihren engen Ställen zu denken? Und schmeckt dir der Kaffee wirklich, wenn du weißt, unter was für die Bedingungen die Kaffeebauern schuften müssen und nicht mal genug zum Leben verdienen?

Schlange: Hör doch gar nicht hin, du glaubst doch nicht wirklich, dass sich etwas ändert, nur weil du auf einmal auf fairen Handel und artgerechte Tierhaltung achtest!?!

Mensch: Ich kann nur bei mir selber anfangen! Jeder und jede muss ihre Kaufgewohnheiten mit dem Gewissen vereinbaren. Ich selber schlafe einfach besser, wenn ich nicht nur auf den Preis achte.

Wir singen: Hilf, Herr meiner Seele, dass ich dort nicht fehle, dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin!

 

 Schlange: Hast Du gesehen, dass Frau Schmidt jetzt einen Hund hat? So einen süßen kleinen wie Paris Hilton. Die tut einfach immer, was sie toll findet. Du solltest dir auch einen zulegen, statt ihr neidisch hinterher zu gucken. Ein kleiner Ausflug nach Belgien, direkt hinter der Grenze auf dem kleinen Markt, stehen die Händler mit niedlichen kleinen Hunden und Katzen. Vielleicht kannst du ja gleich zwei Tiere kaufen, kosten doch nichts. Und wenn es dir zu viel wird, dann gibst du sie einfach im Tierheim ab. Was Frau Schmidt kann, das kannst Du schon lange.

Eva: Auf den Märkten in Belgien solltest du kein Tier kaufen, denn die Tiere werden meist viel zu früh von den Muttertieren getrennt, sind häufig nicht ausreichend geimpft und krank. Tiere werden auf diesen Märkten als Ware betrachtet, Schwund eingerechnet. Außerdem hast du doch gar keine Zeit für ein Tier, du arbeitest doch den ganzen Tag.
Überlege dir gut, ob du wirklich ein Tier halten kannst, denn dann übernimmst du auch die Verantwortung für so ein Lebewesen.

Mensch: Ich würde ja schon gerne sehen wie Frau Schmidt guckt, wenn ich auch mit einem Hund ankomme. Aber nicht zu jedem Preis.
Und ich würde ja gerne so ein armes Tier, das da von den Händlern gequält wird, helfen. Aber damit würde ich diesen furchtbaren Tierhandel ja noch unterstützen. Nein ich fahre einfach ins Tierheim, da gibt es genügend Hunde, die gerne einmal ausgeführt werden möchten. Das werde ich machen, auch wenn Frau Schmidt trendiger ist.

Wir singen: Hlf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens, dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin!

 

Schlange: Komm her, ich muss dir unbedingt etwas erzählen: Hast du schon gehört, dass Frau Jansen vollkommen durchgedreht ist? Erst hat sie ihren Mann auf dem Balkon ausgesperrt, mitten im Winter, und dann ist sie auch noch selber halb nackt durch die Straßen gelaufen.
Die Polizei hat sie verhaftet, mit Handschellen! Ist das nicht peinlich? Und das dem Jansen, der doch immer so getan hat, als wäre er etwas Besseres als die anderen.

Eva: Hör doch gar nicht hin, der Herr
Jansen ist ein netter Mensch, vielleicht
etwas schüchtern. Er getraut sich eben
nicht, jemanden anzusprechen. Und
dabei braucht er jetzt, wo seine Frau
so krank ist, unbedingt Hilfe.

Alzheimer ist eine schlimme Krankheit, von einem Moment zum anderen vergessen die Menschen, was sie
eben getan haben. Bei Frau Jansen ist
die Erkrankung schon weit fortge-
schritten.

Mensch: Ich wusste gar nicht, dass
Frau Jansen krank ist. Ich habe mir gar nichts dabei gedacht, über ihre kleinen Macken zu lästern. Wir Menschen sollten wirklich mehr miteinander sprechen! Ich werde jetzt gleich zu Herrn Jansen gehen, um ihm meine Hilfe anzubieten. Ich könnte ja auch mal im Frauenkreis nachfragen, da ist sicher die eine oder andere bereit mitzugehen, gemeinsam können wir sicher etwas tun.

 

Genuss ohne Reue

Iß ein Stück Brot, köstlich duftendes Brot.
     Genuss ohne Reue
Trinke einen Schluck Wein,
Trauben von der Sonne verwöhnt.
     Genuss ohne Reue
Setz dich mit deinen Lieben an den Tisch.
Esst, trinkt und seid fröhlich.
     Genuss ohne Reue
Nimm dir Zeit für ein gutes Gespräch,
tausche deine Gedanken aus.
     Genuss ohne Reue
Lies ein gutes Buch,
sei mit deinen Gedanken einfach mal bei dir.
     Genuss ohne Reue
Tue dein Werk, mache deine Arbeit,
iß auch mal ein Stück Schokolade.
     Genuss ohne Reue
Genieße dein Leben
und teile es mit anderen Menschen.
     Genuss ohne Reue
Lass dich beschenken von dem, der dich schuf.
     Nimm es ohne Reue 

Quellen: eigene Texte sowie aus dem Arbeitsheft zum Mirjamsonntag 2011 "Verführe uns Eva zum Leben", Fachausschuss für Frauenfragen im Kirchenkreis Kleve