Neues Konzept für die Konfirmandenarbeit
„Die Bude soll rocken“
Februar 2009 Photos: Uta Walger
Als das Presbyterium vor Jahren seine Gemeindekonzeption ‚Miteinander auf dem
Weg’ erarbeitete, wurde unter anderem die Frage gestellt, wie Kirche sein muss, damit
Kinder und Jugendliche sagen können: „das ist unsere Kirche, hier werden wir ernst
genommen, hier fühlen wir uns wohl“.
Wichtig ist dem Presbyterium, der jungen Generation einen gleichberechtigten Platz im Gemeindeleben einzuräumen, mit ihnen die Zukunft der Gemeinde und der Kirche zu
gestalten. Dieses Anliegen hat auch Auswirkungen auf das neue Konzept für den Konfirmandenunterricht.
Lesen Sie hier ein Gespräch für unseren Gemeindebrief "Begegnung" mit Pfarrerin Sybille Noack-Mündemann und Jugendleiterin Lydia Hackenbroich über das neue Konzept:
Begegnung: Die Rede vom neuen Konzept für die Konfirmandenarbeit in unserer Gemeinde macht ja schon seit einiger Zeit die Runde. Was soll sich denn da ändern?
Noack-Mündemann: Die wesentliche Veränderung ist, dass die Konfirmand/innen der ganzen Gemeinde gemeinsam den Konfirmandenunterricht besuchen, sie werden nicht mehr nach den Bezirken eingeteilt. Geleitet wird die Gruppe nur noch von zwei Pfarrer/innen, in Zukunft sogar nur noch von mir als Pfarrerin. Wir tragen damit der notwendigen Kürzung bei unseren Pfarrstellen Rechnung. Neu ist auch, dass die beiden Jugendleiterinnen mit in den Konfirmandenunterricht einbezogen werden. Allerdings ist dieses Jahr die Gruppe mit über 50 Konfis so groß, dass wir sie teilen werden.
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B.: Wann ist es denn abzusehen, dass es nur noch eine
Gruppe sein wird?
N.-M.: Das ist schwer zu sagen, aber es ist leider damit zu rechnen, dass die Zahl der Konfis zurück gehen wird. Und dann wird es nur noch eine Gruppe am Gemeindezentrum Erlenweg geben.
B.: Warum wurde die Epiphaniaskirche am Erlenweg für die Konfirmandenarbeit ausgewählt?
N.-M.: Am Erlenweg ist ja die Jugendarbeit der Gemeinde sowieso schon angesiedelt, und durch die Konfirmandenarbeit soll sie noch gestärkt werden. Der Erlenweg ist somit das neue Zentrum Jugendarbeit unserer Gemeinde.
B.: Wie sind denn die ersten Rückmeldungen auf das neue Konzept?
N.-M.: Bei den Eltern war es im Großen und Ganzen problemlos. Natürlich gab es einige Eltern, die sagten, wie schade, dass es nicht mehr an „unserer Kirche“ stattfindet, aber größere Widerstände gab es nicht. Die Jugendlichen kennen es ja nicht anders.
Hackenbroich: Ich bin sicher, die Jugendlichen werden sich freuen, dass die Bude rockt.
B.: Wie soll das denn geschehen, damit die Bude rockt?
H.: Die halbe Gruppe trifft sich immer 14tägig am Dienstag für eine Stunde. Da wird es dann keine Unterrichtsinhalte geben. Da werden dann verschiedene Angebote gemacht. Das geht vom freien Kickerspielen über Theaterworkshops zu verschiedenen Kreativangeboten. Da ist vieles möglich. Es geht darum, dass die Konfis sich treffen und einfach ein positives Erlebnis zusammen haben; dass sie uns als Ansprech-partner haben, wenn ihnen etwas auf der Seele brennt. Ich erlebe das immer wieder, dass die positivsten Erinnerungen an die Konfirmandenzeit die Wasserschlacht mit dem Pfarrer oder das gemeinsame Kickerspiel war. Dadurch erleben sie, dass der Abstand zu den Pfarrer/innen geringer wird, dass sie so auch der Kirche näher kommen.
N.-M.: Gerade die Dienstage dienen dem Beziehungsaufbau. Da kann es deutlich werden, was es heißt, Kirche zu leben, nämlich sich wahrzunehmen, Zeit miteinander zu teilen.
B.: Könnt Ihr denn kickern?
N.-M.: Ja, ich kann kickern und letztens habe ich sogar auch mal gewonnen.
H.: Ich war sogar die Gewinnerin der Kickers-Masters 2007.
B.: Neben deinen Kickerkünsten, was könnt ihr als Jugendleiterinnen noch in den Konfirmandenunterricht einbringen?
H.: Ich denke, wir können die Methodenvielfalt erweitern, wir können unsere kreativen Fähigkeiten einbringen und mein persönliches Steckenpferd ist die Spiel-Pädagogik.
N.-M.: Die Konfis sollen in einem geschützten Rahmen Orientierung finden. Dazu stehen wir auch als Vorbilder zur Verfügung, neben den Pfarrer/innen eben auch die Jugendleiterinnen, und auch die jugendlichen Ehrenamtlichen gehören dazu.
B.: Woher sollen denn die Ehrenamtlichen kommen?
N.-M.: Es gibt schon eine ganze Anzahl jugendlicher Ehrenamtlicher aus unserer Gemeinde, die bereit sind, den Konfirmandenunterricht zu begleiten. Und wir hoffen, dass wir aus jedem Jahrgang Konfirmanden neue Ehrenamtliche gewinnen können.
H.: Das sind dann Ex-Konfis, denen es besonders gut gefallen hat.
B.: Was versprecht ihr euch denn von Mitarbeit der Ehrenamtlichen?
N.-M.: Die jugendlichen Ehrenamtlichen üben eine wichtige Brückenfunktion aus. Die zeigen den Konfis: Es ist nicht uncool, sich mit der Kirche und mit Fragen des Glaubens zu beschäftigen. Ich sehe die Ehrenamtlichen als eine Art Sprachrohr, die mit ihren Worten sagen, was sie an diesen Fragen beschäftigt; auch wenn sie sagen, womit sie wenig anfangen können, was sie an Kirche stört.
B.: Welche kirchlichen Themen werden denn behandelt werden?
N.-M.: Die sind ja teilweise durch die Landeskirche vorgegeben, aber wir haben da auch noch genug Freiheit zur Schwerpunktsetzung. Es wird um klassische Themen gehen wie Abendmahl, Taufe, Schöpfung, Tod und Auferstehung, aber auch Themen wie „der Umgang mit Schwächeren, die Frage nach der Gewalt“ oder „Meine Eltern und ich“ können behandelt werden. Insgesamt geht es darum, dass die Jugendlichen ihre Alltagserfahrungen ins Gespräch bringen mit biblischen Texten und christlichen Standpunkten. Dazu haben wir einmal im Monat an einem Samstag vier Stunden Zeit.
B.: Ist es denn auch geplant, die Konfis in die Gottesdienstgestaltung mit einzubinden?
N.-M.: Ja, es wird nach jedem Themensamstag einen Jugendgottesdienst geben, in dem das Thema noch mal aufgenommen wird. Das sind dann Gottesdienste, in denen eine andere Musik Platz findet und die Jugendlichen sich selber einbringen können und Teile des Gottesdienstes mit gestalten werden. Die Pfarrerin hat da mehr eine moderierende
Funktion. Eine klassische Predigt kann ich mir in solchen Gottesdiensten schlecht vorstellen. Zu diesen Gottesdiensten ist natürlich die gesamte Gemeinde eingeladen. Ich glaube, das kann sehr interessant für alle Generationen sein.
H.: Das ist ja auch lernpädagogisch einsichtig. Wenn man etwas selber mitmacht, behält man es viel mehr, als wenn man nur zuhört. Bei der Gestaltung von Jugendgottesdiensten
habe ich auch schon einige Erfahrungen gesammelt. Ich spiele ja auch Gitarre, und wenn ich Zeit finde, will ich Dudelsack spielen lernen.
B.: Lasst uns ein wenig träumen: Wenn ihr fünf Jahre voraus denkt, was muss bis dahin ge-
schehen sein, dass ihr sagt: Das neue Konfi-Konzept ist aufgegangen?
H.: Wenn wir von ehemaligen Konfis hören, dass sie gute Erinnerungen an die Konfizeit haben,
wenn sich jüngere Geschwister gerne anmelden, wenn einige als Ehrenamtliche dabei bleiben,
auch wenn es nur für eine begrenzte Zeit ist.
Wenn ich einen Ex-Konfi treffe, und seine erste Frage ist: „Und, wie läuft der Konfirmanden-unterricht?“ dann haben wir etwas geschafft.
N.-M.: Ich denke, das Konzept ist aufgegangen, wenn wir in fünf Jahren eine stabile Gruppe von jugendlichen Ehrenamtlichen haben. An die
Konfis kommen wir ja immer ran, aber die Ehrenamtlichen, die muss man gewinnen. Und
das Konzept ist aufgegangen, wenn die Jugend-lichen, ob Konfis oder ehemalige Konfis, in Krisensituationen wissen: Bei der Kirche, da
finde ich Ansprechpartner, da habe ich meinen
Ort.
B.: Liebe Lydia, liebe Sybille, vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Interview führte Torsten Sommerfeld
Weitere Informationen zum Konfirmandenunterricht finden Sie hier.