Geistliches Wort zu Psalm 23
Im Hause des Herrn
Eingestellt im Februar 2009
Die Schlange vor der Kasse ist lang. Ich warte, den Einkaufskorb in meiner Hand. Von hinten schiebt mich ein Einkaufswagen. Geht es schneller, wenn man drängelt? Ich versuche, nicht nachzugeben, um nicht zu nah an den Mann vor mir zu rücken. Er riecht so schlecht. Aber von hinten drückt es unablässig gegen meine Hacken.
Einen Schritt nur, aber immerhin
bewegt sich die Schlange jetzt
weiter. Ein Freiraum bietet sich,
ich stelle mich quer, mein Körb-
chen wie ein Schutzwall gegen
die Angriffe von hinten. Was für
ein Tag!
Ich schaue keinen an, nicht
den Stinker vor mir, nicht die Ungeduldige hinter mir. Suche
genervt das passende Geld in
meinem Portemonnaie. Da ist
zwischen den Scheinen dieser
kleine abgegriffene Zettel: „Du
salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein, Gutes
und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.“
Das ist mein Gebet, mein Anker in diesem Moment. Psalm 23 mitten im Supermarkt! Die Spannung löst sich, ich freue mich an meinem Gott – er erquicket meine Seele. Nicht, dass der Mann vor mir nun nach Salböl duften würde, er stinkt immer noch. Auch die Frau hinter mir ist nicht barmherziger geworden mit ihrem Wagen. Und doch steh ich anders da, vergnügt, lebendig und dankbar. Gutes und Barmherzigkeit! Auch die Menschen um mich herum sehe ich mit anderen Augen. Was würde ihnen jetzt gut tun? Vielleicht brauchen sie mehr als einen kleinen Zettel mit einem Vers, vielleicht etwas ganz anderes.
Beten kann mir helfen herauszufinden, was ich brauche. Einen Weg zu beschreiten, auf dem ich mich Gott anvertraue und ihm auch zutraue, mich gut zu führen. Im Alltag vergisst man das nur zu oft, da sind die Wege oft vorgegeben, da sind Sachzwänge und Warteschlangen.
Ich helfe meinem Alltag aus seinem Trott, in dem ich ein Psalmwort auf kleine Zettel schreibe und sie einstecke – in die Geldbörse, an die Pinnwand zwischen Müllabfuhrplan und Einkaufsliste, in die Jackentasche – jeden Monat ein neuer Vers. Und dieser Vers geht mit, bekommt immer neue Umgebungen, begegnet mir wieder und wieder. Manchmal fordert er mich heraus, manchmal ist er Anstoß, manchmal Trost und immer auch Gebet.
Dorothee Sölle hat es einmal so ausgedrückt: „Beten bedeutet, nicht zu verzweifeln. Beten ist Widerspruch gegen den Tod. Es bedeutet, sich zu sammeln, nachzudenken, Klarheit zu gewinnen, wohin wir eigentlich leben, was wir mit unserem Leben wollen; Gedächtnis zu haben und darin Gott ähnlich werden; Wünsche zu haben für uns und unsere Kinder; die Wünsche laut und leise, zusammen und allein zu äußern und darin immer mehr dem Menschen ähnlich zu werden, als der wir gemeint waren.“
…und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Uta Walger
Photo: Bernd Casper
Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
Leg ich meinen Tag in deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen,
sei mein Gestern, das ich überwand.
Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,
bin aus deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen,
deinen Händen bette ich mich ein.
(Edith Stein zugeschrieben)